Mittwoch, 22. Juni 2016

Senta Richter - OPUS - Die Begegnung

Ein Mädchen. Ein geheimnisvoller Junge. Und die große Liebe, für die man alles riskieren würde.
Nun denkt man wahrscheinlich: "Ach, das hat es doch alles seit Twilight schon gegeben..."
Aber nein, in Senta Richters Roman „OPUS – Die Begegnung“ kommt ein ganz neues spannendes Thema zum Vorschein, auf welches ich jetzt nicht direkt eingehen möchte, um potenziellen Lesern den „Wow“-Effekt nicht vornweg zu nehmen.

Der Roman erzählt die Geschichte von Mila und dem mysteriösen Abel, der ganz plötzlich in ihr Leben tritt und dieses mehr als nur auf den Kopf stellt. Abel bringt vor allem ihre Gefühlswelt gehörig durcheinander und regt Mila zum Nachdenken über ihre Zukunft an.
Obwohl das erste Aufeinandertreffen der beiden etwas verstörend für Mila endet, lässt der gut aussehende Fremde ihr keine Ruhe und seine ungewöhnlich leuchtenden grünen Augen ziehen sie in einen Bann, aus dem sie nicht entfliehen kann.
Abel erscheint ihr als ein großes Rätsel, da er irgendetwas zu verbergen scheint, fühlt er sich doch stets verfolgt und stößt Mila immer wieder von sich, wenn sie sich ihm zu sehr nähert.
Irgendein dunkles Geheimnis muss er anscheinend verbergen, doch ehe sie herausfindet, um was es sich handelt, ist es um ihr Herz bereits geschehen und sie findet sich mitten im Geschehen wieder, in dem sie vor der Entscheidung ihres Lebens steht: Wird sie alles für eine aussichtslose Liebe riskieren?

Senta Richter erschafft eine fantastische Welt, die ich nach dem Ende des Buches nicht verlassen wollte. Ihre Charaktere sind real, liebenswert und bestechen durch eine unglaublich interessante Persönlichkeit.
Mila ist eine tollpatschige und äußerst sympathische Protagonistin, die sich ins Herz des Lesers schleicht. Man kann ihre Handlungen und Gedanken sehr gut nachvollziehen und fühlt sich mit ihr verbunden. Abel hingegen hat mich vom ersten Moment an wahnsinnig gemacht – im positiven Sinne. Sein Charakter ist von Beginn an schwer einzuschätzen, da eine geheimnisvolle und mysteriöse Ausstrahlung ihn umgibt, die es dem Leser wie Mila unmöglich macht, sich von ihm zu entfernen. Seine Figur ist für mich das Goldstück des Buches.
Ich habe selten eine so schöne Entstehung einer Liebe zwischen zwei Menschen gelesen, die so echt und real, so ungezwungen und doch vorbestimmt wirkt. Man bekommt in keinster Weise das Gefühl, wie oftmals bei Romanen, dass zu schnell von Liebe gesprochen wird, sondern alles entsteht in langsamen Schritten. Aus erster Neugier, wird ernstes Interesse, dann langsam tiefe Verbundenheit und Liebe.
Auch die restlichen Figuren des Buches sind glaubhaft und real beschrieben, ohne dass diese platt oder langweilig wirken. Sie dienen zum Fortbestand der Geschichte und sind ein wichtiger Teil des Buches.

Während dem Lesen beginnt man selbst über Abels Herkunft und seine Handlungen, sowie sein Geheimnis zu rätseln und spinnt ein Netz aus möglichen Antworten, welche doch nicht an die Wahrheit heran kommen. Zum Abschluss hin schwebt die Wahrheit wie eine dicke Wolke über Mila und Abel und endet mit einem überraschenden Finale, das mich zeitgleich faszinierte und erschütterte.
Der gesamte Roman ist von nicht aufhörender Spannung gekennzeichnet, die zum Abschluss mit der Auflösung der Rätsel und dem Finale ihren Höhepunkt findet und auch Emotionen werden passend auf den Punkt gebracht, ohne unnötig vom weiteren Inhalt der Geschichte abzulenken.

Ein weiterer schöner Aspekt im Roman ist das Thema der Kunst, welches Senta Richter bemerkenswert mit der Geschichte verknüpft und zu einem Schlüsselbegriff der Handlung umfunktioniert. Als Kunstliebhaberin war dieser Punkt für mich ein besonderes Highlight, da die Autorin überzeugend mit diesem Thema umgeht und gebührend in ihr Werk integriert.

Meiner Meinung nach hat Senta Richter mit OPUS einen fantastischen Debütroman vorgelegt, der durch seinen Schreibstil, seine Geschichte und deren handelnden Figuren zu einem fesselnden Erlebnis geworden ist. Die Autorin steht anderen deutschen Autorinnen, wie Kerstin Gier und Eva Völler in nichts nach. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt auf eine Fortsetzung des Romans, auf welche das Ende des Buches hoffen lässt.

Ich vergebe 5 ★★★★★ Sterne, da OPUS für mich ein wahres Leseerlebnis war und ich dem zweiten Band entgegen fiebere!